Montag, 16. April 2018

WAS IST EIGENTLICH ABENDLÄNDISCH?
Was uns unterscheidet von ...

Zur Bewahrung und Förderung der abendländischen Kultur hat sich bald nach der letzten Jahrtausendwende die Sodalitas Orietur Occidens zusammengeschlossen. Gut ein Jahrzehnt danach tauchte plötzlich der Begriff Abendland von ganz anderer Seite auf: „Patrioten“ wenden sich gegen eine „Islamisierung des Abendlandes“.
Nun wünscht sich in der Tat kein abendländischer Mensch eine Islamisierung des Abendlandes. Und es gibt viele Aussagen von jenen Leuten, die durchaus gut abendländisch klingen. Doch im Kern stehen sie dem wirklichen Abendland fern.
Was nun unterscheidet den wirklichen Abendländer vom vorgeblichen? Ein Auszug aus dem neuen Ewald und Ewald gibt Antwort.

Samstag, 14. April 2018

Zu Ehren der heiligen Ewald & Ewald

ist deren neues Heft erschienen; und nun, nach dem Jahreswechsel (stilo florentino!), ist es im Netz zugänglich.
Vor bald einem Jahr war von populärwissenschaftlicher Seite die Vorstellung verbreitet worden, nicht durch das Handeln des Schöpfers, sondern durch ein schwankendes Vakuum sei das Universum entstanden. So wunderlich diese Vorstellung auch ist (wie könnte es, solange es keinen Kosmos gibt, darin ein Vakuum geben, das so schwanken könnte, daß es einen Kosmos / ein Universum hervorbrächte), sie hat zwei gewichtige Entgegnungen veranlaßt, von einem Theologen, von einem Physiker.
Ist mangelnder Glaube ein Ehenichtigkeitsgrund? Was zwei (sehr unterschiedliche) Päpste erwogen haben, wird mit kanonistischer Schärfe erörtert.
Ein weiterer Text zeigt den Antitypos unseres heiligen Vaters Benedikt im Alten Testament.
Ein wichtiges Buch ist erschienen über den gegenwärtigen Zustand der katholischen Kirche; noch vielsagender aber ist die Rezension dieses Buches, die unser Heft bringt.
Und ein Artikel stellt klar, daß der eigentliche Wert einer Messe in Gottes Handeln liegt und nicht in dem, womit Menschen dieses Handeln umgeben und ausschmücken. Der nächste Artikel aber zeigt, daß auch letzteres, «Die gute Gestalt der Meßfeier», bedeutsam ist, um ersteres wahrnehmbar zu machen.
Viel Freude bei der Lektüre!

Montag, 9. April 2018

Kanzelaltar

Eine schöne spätklassizistische Kirche im südhessischen Roßdorf mit sehr protestantischem neogotischem Kanzelaltar.

Sehr protestantisch – was aber wäre, wenn es eines Tages zur Heimkehr der evangelischen Kirchen kommt? was würde dann aus einer Kirche mit solchem Kanzelaltar?
Als ich diese Kirche besuchte, sprang mir nach einigem Überlegen die Lösung ins Auge: man hätte nur das Legile von der Brüstung der Kanzel zu nehmen, auf einen kleinen Ständer im Chorraum zu stellen, dann wäre die bisherige Kanzel mit ihrem Ziborium eine ideale Sakramentskapelle, die nur auf die Einsetzung des Tabernakels wartet.

Mittwoch, 4. April 2018

Fundamentalismus

Fast eine ganze Zeitungsseite hat der Theologe Konstantin Sacher Raum bekommen, gegen Martin Mosebachs Buch über „Die 21 koptischen Märtyrer“ anzuschreiben. Sein Vorwurf gegen Martin Mosebach: «Ein lebensfeindliches Credo» – er glorifiziere den Tod und werte das Leben ab.
Liest man nun den Text, so sieht man, daß dieser Theologe dem christlichen Märtyrertum insgesamt distanziert gegenübersteht: «Nach Mosebach ist es also schlecht, im Angesicht eines Henkers, der vorhat, gleich mit einem Dolch den eigenen Kopf vom Rumpf zu trennen, zu sagen: Ach, lasst mich leben, so wichtig ist mir Christus gar nicht. Gut ist nur, starrsinnig in den Tod zu gehen.»
Interessant wird es, wo Konstantin Sacher Stellung nimmt zum religiösen Fundamentalismus: «Religiöser Fundamentalismus ist niemals ganz friedlich. In der absoluten Überzeugung, die Wahrheit zu kennen, werden die Wahrheiten der anderen Menschen zur Falschheit. Zu einer Falschheit, auf die es entweder mit Missionierung, mit Bekämpfung oder mit Verachtung zu reagieren gilt.»
Doch solcher Fundamentalismus ist tief in unserer Gesellschaft verwurzelt, beschränkt sich nicht auf die Religion. Es beginnt schon mit fundamentalistischen Mathematik-Lehrern, die «in der absoluten Überzeugung, die Wahrheit zu kennen», stumpf darauf beharren, daß zweimal zwei immer nur vier sei, auf abweichende Wahrheiten von Schülern mit Missionierung, mit roter Tinte oder mit schlechten Zensuren reagieren.

Die neue Propsteikirche in Leipzig

«Wir sind – ganz gegen alle Trends – eine wachsende Gemeinde. Jährlich werden bei uns ca. 50 Kinder und 10 Erwachsene getauft, kommen durch Zuzug ca. 100 weitere Gemeindemitglieder hinzu», ist im Netzauftritt der Propsteigemeinde zu erfahren. Und das Gebäude – bisher kannte ich es nur von außen, ist imposant. Ein Grund, die Kirche und das Leben in ihr einmal näher kennenzulernen.
Die gottesdienstlichen Erfahrungen sind allerdings sehr gemischt: recht achtenswert am Sonntagabend, abschreckend am Montag in der Elf-Uhr-Messe.
Ausführungen aber zu sichtbarer und hörbarer Kunst in der Propsteikirche aber bietet die Chronik von Orietur Occidens.

Dienstag, 3. April 2018

Letzte Relikte alter Unsitten

Vor zwei Jahren noch war die Expedition zur Osternacht in die eigene Pfarrkirche ein wenig ermutigendes Unternehmen; aber jetzt gibt es die „Verantwortungsgemeinschaft“, ist man auf dem Weg zur Einheitspfarrei.
So hat der Chronist von Orietur Occidens die Gelegenheit der Osternacht zur Zwischenbilanz genutzt.

Dienstag, 27. März 2018

Palmsonntag

Daß am Palmsonntag der Gottesdienst mit Palmweihe und Prozession eher beginnt als sonst die Sonntagsmesse, ist ja berechtigt; aber daß sie eine ganze Stunde früher beginnt, ist weniger verständlich und wenig angenehm. Daß man aber, wenn am Palmsonntag die Umstellung zur Sommerzeit erfolgt, sich die beiden Stunden addieren läßt, zwei Stunden früher beginnt, erfordert schon Askese für Fortgeschrittene.

Aber, aller Müdigkeit zum Trotz, eine Freude bietet mir die Messe doch: ich sehe, daß im neuen GL Beim letzten Abendmahle seine 4. Strophe, die mehr als vierzig Jahre lang fehlte, zurückbekommen hat.

Montag, 26. März 2018

Eine Szene aus dem real existierenden Landeskirchen-Pfarrgemeindeleben

Im Gemeindehaus der Ev.-Luth. Kirchgemeinde war am Samstagabend ein Vortrag des Theologie-Professors Klaus-Peter Jörns «zum Thema „Update für den Glauben. Denken und leben können, was man glaubt“» angesetzt. «Dabei geht es und die Gestalt des christlichen Glaubens im Zeitalter von Evolutionstheorie und Quantenphysik als alltagstaugliche Denk- und Lebensgestalt.»
Zusammen mit Hubertus Halbfas und anderen hat Prof. Jörns die „Gesellschaft für eine Glaubensreform e.V.“ gegründet. «In ihr geht es darum, alle an einer Glaubensreform Interessierten zusammenzuführen und darauf hinzuwirken, dass sich das Christentum zu einer heute glaubwürdigen Religion weiterentwickeln kann», erklärt der Professor auf seiner Home-Page.
«Ziel ist es, den christlichen Glauben im Rahmen einer universalen Wahrnehmungs-Geschichte Gottes zu verstehen und darzustellen, wie diese von den Weltreligionen in Geschichte und Gegenwart gespiegelt wird. Dieses Ziel macht den Abschied von vielen überlieferten Glaubensvorstellungen innerhalb und außerhalb der Bibel notwendig und soll zu einer tiefgreifenden Neuformulierung des christlichen Glaubens beitragen», steht in der Pressemitteilung zur Ankündigung des Vortrags.

Der Pfarrer der Kirchgemeinde war, so erklärt er, mitgerissen von den Büchern des Professors; «diesen Mann müssen wir hier haben.»
So bekommt der Professor das Wort.
Er beklagt, daß in protestantischen Gottesdiensten die Evangelien zwar gelesen werden, seit jeher aber nur über die Briefe gepredigt werde – in den Evangelien gebe es so schöne Gleichnisse. Doch die zentralen Aussagen der Evangelien werden „exegetisch entsorgt“ (nach der Formulierung Klaus Bergers), er leugnet den Sühnetod Jesu und damit die ebendarin begründete Eucharistie unter Berufung auf die Historisch-kritische Methode, jener Methode, deren Grenzen durch aktuellere Autoren (wie etwa Klaus Berger, Hans-Joachim Schulz und Karl Jaroš) aufgezeigt worden sind und deren Denken zumindest teilweise auf einer Vorentscheidung gegen den Glaube beruht (s. Moderne Theologie und Logik). Zu 100 % sicher sei, meint er, daß die Abendmahlsworte nicht von Jesus seien; dabei beruft er sich auf den Unterschied zwischen den Abendmahlsberichten der Synoptiker einerseits und Johannes’ andererseits, ohne die „Brotrede“ Jesu bei Johannes (6,26-59) eines Wortes zu würdigen.
Woran er glaubt, das sind die Erklärung der Menschenrechte und die Naturwissenschaft, die Evolutionstheorie nämlich und die Quantenphysik.
Die Erklärung der Menschenrechte steht seiner Überzeugung nach im Widerspruch zur Lehre vom Sühnetod Christi, woraus er folgert, daß eben diese Lehre falsch sei.
Die Evolutionstheorie nimmt er an in ihrer Ausweitung auf das gesamte menschliche Sein und verbunden mit dem Fortschrittsglauben vergangener Zeiten: Sünde sei nur der Rückfall in frühere Phasen der Evolution; und das Böse könne überwunden werden nur durch künftige Evolution.
Die Wirksamkeit von Gebeten beruht für ihn auf der Quantenphysik, einer Quantenphysik nämlich, die er im Sinne Hans-Peter Dürrs versteht. Nun war Hans-Peter Dürr ein angesehener Physiker und ein interessanter Denker; aber sein Hylopsychismus ist keine Naturwissenschaft, und eine solche Ausweitung der Quantenphysik ist alles andere als Stand der Wissenschaft.
Entscheidende Autorität hat für ihn somit die (in seinem Sinne gedeutete) Erklärung der Menschenrechte, hat eine weit über ihre naturwissenschaftliche Grundlage hinaus ausgeweitete Evolutionstheorie, eine spirituell ausgedeutete Quantenphysik. Ihnen gegenüber müssen für ihn die Lehren des christlichen Glaubens zurücktreten. Glaube an Gott, an Christus taucht in seinen Worten nicht erkennbar auf.
Das Publikum ist ganz begeistert. Ein Zuhörer stellt sich als pensionierter Pfarrer vor, der seine Amtszeit hindurch darunter gelitten hat, daß er im Gottesdienst liturgische Formeln zu verwenden hatte, die seiner Überzeugung widersprachen. Der Professor empfiehlt darauf die von ihm entwickelte ganz andere Liturgie.
Allen Landesbischöfen, sagt der Professor, habe er geschrieben, um ihnen seine „Glaubensreform“ nahezulegen; keiner, so klagt er, habe geantwortet. Gegen den Strich gelesen, ist dieser Vorwurf sehr berechtigt: kein Landesbischof hat sich bemüßigt gefühlt, den Mann und seine Glaubensreformer zur Umkehr zu rufen.

Wir sind die einzigen im Saal, die ihm widersprechen. Am Ende kommt aber noch ein von weither angereister älterer Herr auf mich zu und dankt mir für meinen kritischen Beitrag.
Was ein wenig beruhigt: außer uns und dem Pfarrer sind nur ganz wenige der Anwesenden unter Siebzig.

Montag, 19. März 2018

Eine besondere Patronatsfestfeier

Heute ist das Patronatsfest der Pfarrkirche in unsere Gründerzeitviertel. Der Chronist von Orietur Occidens war gespannt aufs Festhochamt.
Er berichtet.

Samstag, 17. März 2018

Nützlichkeit und Ästhetik

Kleine Felder sind sehr viel günstiger für die Artenvielfalt und für das Leben von Insekten als große, haben neue Forschungsergebnisse gezeigt; die Größe der Felder dafür ist bedeutsamer als die Vielfalt der Feldfrüchte und als die Bewirtschaftungsform.
Neue Forschungsergebnisse – hätte man das auch vorher schon wissen können?
«Videbam in ipsis corporibus aliud esse quasi totum et ideo pulchrum, aliud autem quod ideo deceret, quoniam apte adcommodaretur alicui», schieb Augustinus (Conf. IV, 13, 20).
Wenn etwas geeignet ist zu dem, wozu es gehört, ist es demnach auch schön; wenn Felder also geeignet sind für die Artenvielfalt und für das Leben von Insekten, dann sind sie schön.
Nun vergleiche man die „grüne Idylle“ mit der Agrarlandschaft in North York Moors!

Freitag, 16. März 2018

Gibt es ein Asylrecht für religiös Verfolgte?

«Politisch Verfolgte genießen Asylrecht» – doch über religiös Verfolgte sagt das Grundgesetz nichts. Gilt nun das Asylrecht auch für sie?
Durch seine gegenwärtige Praxis zeigt das Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge, daß es das anders sieht.
Der Chronist von Orietur Occidens referiert.

Mittwoch, 14. März 2018

Das Rechtschreibprogramm von Libre Office

Einstmals hieß es, Rechtschreibprogramme hätten vor allem Unterhaltungswert. Das hat sich seither sehr geändert, doch das von Libre Office bleibt dem alten Ruf treu:
„Tabernakel“ kennt es nicht – es schlägt „Belabern“ vor.
„Ziborium“ kennt es nicht – es schlägt „Brimborium“ vor.

Kleine Schnitzer, die Wellen schlagen

Laetare – doch liturgische Unachtsamkeiten beim Sonntagshochamt schmälerten die Freude des Chronisten von Orietur Occidens.

Freihandel und Lohnquote

Binnen weniger Tage gab es verschiedene Nachrichten, vom Freihandel bis hin zur Lohnquote, deren Höhe Anlaß gibt, von „Lohnraub“ zu sprechen, Nachrichten, die alle verbunden sind durch die gleiche Stoßrichtung.
Der Chronist von Orietur Occidens berichtet.

Dienstag, 6. März 2018

Die 21 koptischen Märtyrer

21 koptische Christen sind am 15. Februar 2015 vom „IS“ ermordet worden; bis zuletzt haben sie ihren Glauben bekannt. Nun ist – veranlaßt vom Erscheinen eines Buches von Martin Mosebach über seine Reise auf den Spuren dieser Märtyrer – vom Institut St. Philipp Neri zu erfahren, daß diese katholische Gemeinschaft bereits seit 2016 eine Kopie einer Ikone dieser koptisch-orthodoxen Märtyrer besitzt.

Montag, 5. März 2018

Die Lehren der Ernährungswissenschaft

Nein, ich faste, weil Fastenzeit ist, nicht, weil ich „entschlacken“ möchte. Aber wenn mich auch das Thema der „Entschlackung“ nie interessiert hat, so interessiert mich doch um so mehr die Selbstgewißheit der medizinischen Forschung. Jahrelang war zu lesen, daß es so etwas wie „Entschlackung“ aus wissenschaftlicher Sicht gar nicht gebe; nun lese ich in einem Interview (noch von der letzten Fastenzeit), daß 2016 Ôsumi Yoshinori den Nobelpreis bekommen hat für den Nachweis, daß es sie unter dem Etikett Autophagie nicht nur gibt, sondern sie auch nützlich ist.
Und im selben Interview ist zu erfahren, daß die ebenfalls viele Jahre lang von der Ernährungswissenschaft vertretene – und von mir nie geglaubte – Behauptung, fünf kleine Mahlzeiten, über den ganzen Tag verteilt, seien das Gesündeste, ebenfalls überholt ist.
Ich werde mich bei meiner Ernährung weiterhin nach meinem Körpergefühl richten.

Rassismus?

Die Essener Tafel will nur noch Menschen mit deutschem Personalausweis neu zulassen. Das heißt, Ausländern, die noch nicht zugelassen sind, wird dieser kostenlose Zugang zu Lebensmitteln versperrt.
Das hat den Verantwortlichen den Vorwurf des Rassismus eingetragen.
Aber das Problem liegt tiefer. Der Chronist von Orietur Occidens schreibt darüber.

Ein ganz besonderes „Hungertuch“

Anstelle des Kreuzes steht über dem Tabernakel der Propsteikirche eine gewaltige weißgraue Statue des Auferstandenen, mit erhobenen Armen (ein Kreuz gibt es doch, an der rechten Wand des Chorraums). In der Fastenzeit ist es verhüllt mit einem ebenso gewaltigen violetten Velum.
Am strahlend schönen (wenn auch fastenzeitlich kalten) Vormittag scheint die Sonne herein. Welch ein Anblick! Sie läßt die Statue durchscheinen durch das Tuch, wie ein heller Schatten weißgrau auf dem violetten Hintergrund, nur Kopf und rechter Arm sind nicht zu sehen, sie erreicht das Licht nicht.
Welch eine Vorahnung von Ostern!

Samstag, 17. Februar 2018

Schönheit für die Armen

Josyp Kardinal Slipyj, Patriarch der ukraïnischen griechisch-katholischen Kirche, bei einem Vortrag bei der Bischofssynode 1971:
«Wenn ihr von den Armen reden wollt: hier drinnen kann ich als einziger von ihnen reden, denn ich bin 25 Jahre im Elend in einer kommunistischen Galeere gewesen.
Aber wollt ihr den Armen, die schon wenig Brot haben, auch noch das nehmen, was die Kunst bietet, die Musik, die Schönheit? Auch das noch? Wißt ihr nicht, daß sie danach ein größeres Bedürfnis haben als jene, denen es wohl ergeht?»
Contro i pauperisti ed i falsi amanti dei poveri un aforisma del Cardinale Josyp Slipyj

Freitag, 16. Februar 2018

Bedeutung des christlichen Gottesdienstes


Unser Herr, das Wort Gottes, hat zuerst die Knechte zu Gott hin gezogen. Danach hat er alle befreit, die sich ihm unterwarfen, wie er selbst zu seinen Jüngern sagt: „Ich nenne euch nicht mehr Knechte; denn der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut; vielmehr habe ich euch Freunde genannt; denn ich habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe." 

Die Freundschaft Gottes ist es, die uns Unsterblichkeit schenkt, wenn wir uns um sie bemühen. Am Anfang hat Gott den Adam erschaffen, nicht etwa, weil er den Menschen brauchte. Er tat es, um jemand zu haben, den er mit seinen Wohltaten überhäufen konnte. Denn das Wort verherrlichte den Vater schon vor Adam, ja vor der Erschaffung der ganzen Welt. Es war im Vater und wurde von seinem Vater verherrlicht, wie er selbst sagt: „Vater, verherrliche du mich jetzt bei dir mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, bevor die Welt war." 

Jesus verlangte auch unsere Nachfolge nicht deshalb, weil er unseren Dienst etwa brauchte, sondern um uns das Heil zu schenken. Denn dem Herrn folgen heißt am Heil teilhaben, und dem Licht folgen heißt Licht empfangen. Die im Licht sind, machen nicht das Licht leuchten, sondern werden selbst vom Licht erleuchtet und erhellt. Sie geben dem Licht nichts, sondern sind nur Empfänger, wenn das Licht ihnen die Wohltat der Erleuchtung spendet. 

So bietet auch der Gottesdienst Gott nichts; Gott braucht den Dienst der Menschen nicht, sondern schenkt allen, die ihm folgen und dienen, das Leben, die Unvergänglichkeit und die ewige Herrlichkeit. Allen, die ihm dienen, erweist er Wohltaten dafür, daß sie ihm dienen, und denen, die ihm folgen, tut er wohl dafür, daß sie ihm nachfolgen. Er selbst empfängt jedoch keine Wohltaten von ihnen. Er ist reich und vollkommen, er kennt keinen Mangel. 

Gott verlangt von den Menschen Dienst, weil er gütig und barmherzig ist und denen gut sein will, die in seinem Dienst ausharren. Gott bedarf nichts, doch der Mensch bedarf der Gemeinschaft mit Gott.

Es ist der Ruhm des Menschen, im Dienst Gottes zu bleiben und auszuharren. Deshalb sagte der Herr zu seinen Jüngern: "Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt." Damit wies er darauf hin, daß nicht sie ihn verherrlichen, wenn sie ihm folgen, sondern daß der Sohn Gottes sie verherrlicht, wenn sie ihm folgen. Und wiederum: "Ich will, daß alle, die du mir gegeben hast, dort bei mir sind, wo ich bin. Sie sollen meine Herrlichkeit sehen."


Irenäus von Lyon (um 202)

Montag, 12. Februar 2018

Kleine Schritte – und sie tun gut

Da er nichts ungewöhnliches, auffälliges findet, hat der Chronist von Orietur Occidens sich daran gemacht, Kleinigkeiten zu beschreiben. Und siehe: sie sind mehr als nur Kleinigkeiten.

Samstag, 10. Februar 2018

Marktliberaler Kampf gegen das Gemeinwohl

Wie Freihandelsabkommen das Gemeinwohl zu beschädigen drohen, wie hohl die mit diesen Abkommen verknüpften Versprechen sind, haben wir schon wiederholt (1.2.3.) erörtert. Nun, da TTIP dank einem US-Präsidenten, dem zu danken es sonst nicht allzu oft einen Grund gibt, vorläufig vom Tisch ist, wird der Kampf um das Vorrecht des Freihandels gegenüber der regulierenden Macht des Staates an anderen Stellen engagiert weitergeführt: nicht nur CETA droht endgültig in Kraft zu treten, sondern mit dem südamerikanischen Mercosur und mit vielen anderen Ländern drohen ähnliche Verträge.

Samstag, 3. Februar 2018

Rechte und Pflichten des Eigentümers – Rechte und Pflichten des Mieters

Das Grundgesetz stellt die Pflichten des Eigentümers und die Rechte des Mieters heraus. Die Rechtswirklichkeit zeigt sich sehr anders.
Der Chronist von Orietur Occidens referiert.

Wie lange dauert die Weihnachtszeit? (III.)

Einen versöhnlichen Abschluß der Frage erlebte der Chronist von Orietur Occidens zu Mariä Lichtmeß in der Propstei.

Mittwoch, 31. Januar 2018

Moderne Theologie und Logik

[Da ich es nun gerade geschafft habe, dieses Zitat zu ergugeln, nutze ich sogleich die Chance, darüber zu posten.]

« Man kann nicht elektrisches Licht und Radioapparat benutzen, in Krankheitsfällen moderne medizinische und klinische Mittel in Anspruch nehmen und gleichzeitig an die Geister- und Wunderwelt des Neuen Testaments glauben. Und wer meint, es für seine Person tun zu können, muß sich klar machen, daß er, wenn er das für die Haltung des christlichen Glaubens erklärt, damit die christliche Verkündigung in der Gegenwart unverständlich und unmöglich macht. »
(Rudolf Bultmann: Neues Testament und Mythologie. Beiträge zur Evangelischen Theologie, Bd. 7, 1941, S. 18)

Die Logik dahinter: Wenn der Mensch soviel mit Technik vermag, kann demnach Gott nicht allmächtig sein.
Was daran wäre stringent oder theologisch?

Samstag, 27. Januar 2018

Die mangelnde Achtsamkeit für die liturgischen Formen

«L’insouciance pour les formes liturgiques, qui est l’indice le plus sensible de l’affaiblissement de la foi dans une chrétienté, et qui règne si universellement autour de nous ... – die mangelnde Achtsamkeit für die liturgischen Formen, die das sensibelste Merkmal ist für die Schwächung des Glaubens einer Christenheit und die so allgemein um uns herum herrscht ...» (Dom Prosper Guéranger in L’Année Liturgique, zitiert vom Maître-Chat Lully)

Septuagesima

Heute abend beginnt dem extraordinärem Usus zufolge sowie nach lutherischer Agende die Vorfastenzeit. Ebenso ist es in der orthodoxen Kirche; sie begeht heute den Sonntag des Zöllners und des Pharisäers.
Allerdings kennt der byzantinische Ritus vier Sonntage der Vorfastenzeit. Da aber dieses Jahr nach julianischer Osterberechnung Ostern erst eine Woche später ist als nach gregorianischer, fällt der Beginn der Vorfastenzeit zusammen.
Jedoch ist die eigentliche Übereinstimmung viel älter: nur die letzten drei der vier Sonntage der byzantinischen Vorfastenzeit (die also unseren Sonntagen von Septuagesima bis Quinquagesima entsprechen) kennen im Orthros zum Abschluß des Polyeleos den 136. [137.] Psalm: An den Flüssen Babylons – das zeigt, daß diese letzteren drei Sonntage eine ältere Tradition der Vorfastenzeit verkörpern.

Nach alter Tradition mag Septuagesima auch der Beginn des Kirchenjahrs gewesen sein: in den ältesten Ordines Romani beginnt mit diesem Tag die Leseordnung; und wenn die Quatember der Pfingstwoche, des Septembers und des Advent in den älteren Schriften mit dem Fasten des vierten, des fünften, des siebten und des zehnten Monats nach Zach. 8, 19 begründet werden, so setzt das einen Jahresbeginn mit dem März voraus, wie er aber nach Cäsar selten war, oder eben mit Septuagesima.

Mehr über Septuagesima zu lesen ist in Il rito di sepoltura dell'Alleluja all'inizio del periodo di settuagesima (ein Irrtum des Autors im Détail: im überlieferten römischen Ritus hört der Gesang des Alleluja bereits mit der Vesper von Septuagesima auf, nicht erst am Aschermittwoch – siehe auch: Les adieux à l’Alléluia).

Die „Islamisierung Europas“ ist abgesagt

– das ist zu erfahren aus einem Gespräch mit dem Religionswissenschaftler Michael Blume im Deutschlandfunk (im Gespräch mit Andreas Main).
Mancherlei ist in diesem Gespräch darüber hinaus noch interessant:
So die Bedeutung der Religion für die Demographie: «Wir haben immer wieder den Befund, wenn sich die Religion auflöst, lösen sich auch Gemeinschaften auf und schrumpfen die Familien.»
So die Bemerkungen zu Thilo Sarrazin, der sich in seinem Bestseller „Deutschland schafft sich ab“ auf die religionsdemographischen Überlegungen Michael Blumes bezogen hat. Dieser nun – also Sarrazins Quelle – merkt an, wie Sarrazin «mit Daten spielt und sie auch manipuliert, damit sie passen.»
So der Zwang, der von der sich verändernden Gesellschaft ausgeübt wird: «Also beispielsweise können sie mit einer Alleinverdiener-Ehe, wo nur der Mann verdient und die Frau zuhause bleibt, in einer Großstadt nicht einmal mehr die Miete bezahlen. Das bedeutet, Familienstrukturen müssen sich auch immer wieder ändern.Wenn sie das nicht tun, entsteht die sogenannte Traditionalismusfalle.» Was er nicht sagt – das ist ja nicht das eigentliche Thema des Gesprächs –, das ist, das diese Falle aufgestellt worden ist vom freien Markt, der heute das unterbindet, was vor einigen Jahrzehnten noch normal war.

Mittwoch, 24. Januar 2018

Politik gegen Einsamkeit

Einsamkeit macht krank – und wird hierzulande endemisch.
Ein komplexes Problem – doch steht der Politik eine einfache wirksame Maßnahme zur Verfügung.
Der Chronist von Orietur Occidens nennt sie.

Wie lange dauert die Weihnachtszeit? (II.)

Dieses Thema bedurfte doch einer grundsätzlichen Überlegung; der Chronist von Orietur Occidens hat es in Angriff genommen, ihnen eine längere Anmerkung zu widmen:
Rechtspositivismus und Kirche.

Sonntag, 14. Januar 2018

Wie lange dauert die Weihnachtszeit?

Es ist nicht gerade eine vertrauenserweckende Quelle, aus der der Chronist von Orietur Occidens die Antwort findet; nur: es ist die richtige Antwort.

Freitag, 12. Januar 2018

Zwei sehr unterschiedliche Ansätze gegen die Krise der Kirche

Es gibt hierzulande zwei Ansätze, gegen die Krise der Kirche anzugehen; der eine: Mehr Christus, die Welt ihm untergeordnet – der andere: Weniger Christus, mehr Welt.
Nun wurde, verbunden mit der ökumenischen Konferenz MEHR ein „Mission Manifest“ mit zehn „Thesen für das Comeback der Kirche“ veröffentlicht. Trotz etwas holpriger Sprache und teilweise unklarer Formulierungen ist es offensichtlich, daß der Ansatz diese Manifests der erstere ist: Mehr Christus.
Und da zu den Erstunterzeichnern einige Bischöfe gehören, darunter ein Kardinal, sah sich auch katholisch.de veranlaßt, darüber zu schreiben. Der Artikel ist bemerkenswert: bei oberflächlicher Anerkennung schimmert immer wieder Abstand durch, beginnend schon mit dem Titel: «Nur mal schnell die Kirche retten». Im weiteren Text wird der Grund für diesen Abstand deutlich, dort liest man: «Trotzdem gibt es in der Kirche doch auch andere große Aufbrüche und Versuche zur Veränderung: Was ist etwa mit der Diskussion um Wiederverheiratete oder den Umgang mit Homosexuellen? ... Kann nicht auch das ein authentisches Zeugnis sein, dass die Menschen vom Glauben überzeugt?» – offenkundig bevorzugt die Autorin von katholisch.de den zweiten Ansatz: Weniger Christus, mehr Welt.

Bemerkenswert auch eine Meinung, die einige Zeilen zuvor auftaucht: es gebe «Christen, ... die persönlich den Glauben bei den Pfadfindern genauso oder besser erfassen als bei der Ewigen Anbetung oder ...». Klickt man bei der Ewigen Anbetung weiter, so findet man mit einem zweiten Klick eine prächtige Satire auf verquaste, pastoral gemeinte Sprache – nur leider ist zu fürchten, daß der professorale Autor nicht bemerkt hat, daß er eine Satire schreibt.

Montag, 8. Januar 2018

Was sind Schwestern und Brüder?

Epiphanie: Die Ostertermine sind veröffentlicht; nun zur Festmesse vorm Dreikönigsschrein.
Was sind Schwestern und Brüder? Der Erzbischof läßt es wissen: nach dem Einzug begrüßt er zuerst „die Schwestern und Brüder aus den Gemeinden und Gemeinschaften des Erzbistums“, dann auch noch „die Gläubigen“ aus den anderen Diözesen.
Glanz und Elend der Festfeier im Kölner Dom, liturgische Qualität und Printophoren, hat der Chronist von Orietur Occidens beobachtet.

Freitag, 29. Dezember 2017

Weihnachten, das Fest für Predigtfreunde

Die Messe zur Mitternacht und die Messe am Weihnachtstag: zwei Messen (die dritte, die Hirtenmesse, ist ja nahezu ausgestorben), die sich durch ihre unterschiedlichen Texte und besonders die Evangelien markant unterscheiden und zugleich ergänzen.
Und, welche Freude für Predigtfreunde, die Predigt können sie zweimal hören, sie ist die gleiche in beiden Messen.

Samstag, 16. Dezember 2017

Wann ist Weihnachten?

Daß Weihnachtsmärkte und Kaufhäusern darüber besondere Vorstellungen haben, wundert niemanden mehr. Aber die Kirche?
Der Chronist von Orietur Occidens sieht sich genötigt, zu berichten,
und er kann etwas nachtragen.

Samstag, 9. Dezember 2017

Festmesse am staatlichen Werktag

Abendmessen an solchen Festtagen mag der Chronist von Orietur Occidens sehr.
An diesem Festtag der Unbefleckten Empfängnis fällt ihm noch etwas besonderes auf.

Recht des Unternehmers — Recht des Angestellten

Recht gleichförmig wiederholt sich, was wir vor Jahren zu monieren hatte: Ein Unternehmer gefährdet mit rechtswidrigen Maßnahmen die Gesundheit von Kunden, ein Mitarbeiter deckt es auf – und hat das Nachsehen.
Wieder referiert der Chronist von Orietur Occidens.

Politisch korrekte Sprache

kommentiert in drei Bildern.

Was tun gegen Keime im Weihwasser?

Untersuchungen haben ergeben – und nicht zum erstenmal –, daß Weihwasser in Kirchen keimbelastet sind.
Was hilft dagegen? Eine einfache Antwort (die auch betreffenden die Studien kennen) weiß der Chronist von Orietur Occidens.

Donnerstag, 7. Dezember 2017

Drei schöne Früchte der ersten Adventswoche

In dieser Woche haben mich drei Worte "getroffen": 

1. Der Kommunionvers am Dienstag der ersten Adventswoche:

"Corónam iustítiæ reddet iustus iudex iis qui díligunt advéntum eius." (nach 2 Tim 4, 8)
("Die Krone der Gerechtigkeit wird der gerechte Richter denen geben, die seine Ankunft lieben.")


2. In der Lesehore (Vigil) des Hochfestes der Unbefleckten Empfängnis heißt es in der Zweiten Lesung (von Anselm von Canterbury, Aus einer Rede):

"Gott hat Maria seinen einzigen wesensgleichen Sohn gegeben, den er aus seinem Herzen zeugt, den er liebt wie sich selbst. Aus Maria schuf er sich den Sohn, nicht einen andern, sondern ebendiesen. So ist der eine und gleiche Jesus wesenhaft der gemeinsame Sohn Gottes und Marias.
Alle Geschöpfe sind von Gott gemacht, und Gott ist aus Maria geboren. Gott hat alles geschaffen, und Maria hat Gott geboren. Gott hat alles gemacht, und sich selbst hat er aus Maria gebildet. So hat er alles, was er schuf, neu geschaffen. 
Der die Macht hat, alles aus  dem Nichts zu schaffen, wollte die verwundete Schöpfung nicht ohne Maria wiederherstellen."


3. In der Nachbetrachtung einer Adventsfeier ein herrlich niederrheinischer Satz über den Verzehr von Walnuß-Buttercreme-Torte:

"Kannze mit hinter de Hecke liegen gehn."

Mittwoch, 29. November 2017

Zur Wurzel der Allergie dem Heiligen gegenüber

« Der Glaube beginnt mit dem Hören, aber auch mit der Art, in der die Offenbarung vorgelegt wird.
Traditionell wird die Bibel in der Kirche gelesen. Nich zufällig ist der Locus princeps, der erstrangige Ort solcher Lesung die Liturgie. Dies, weil die Heilige Schrift der Tradition entspringt und es die Tradition ist, die die Mittel bietet, sie lesen und verstehen zu können. Die Tradition ist für die Schrift das, was die Fassung für den Diamanten ist.
Die Heilige Schrift losgelöst von der Traditiom und von der Kirche wird zu einem Buch wie jegliches andere, somit freien Interpretationen unterworfen.
Die Revolution Martin Luthers ist gerade die gewesen, die Bibel abzulösen von der Tradition und sie so unmittelbar zu verbinden mit der freien Interpretation allein dessen, der sie liest. »
(aus: Pietro C.: Alla radice dell'allergia per il Sacro)

Dienstag, 28. November 2017

Calvinistische Sparsamkeit – oder?

Die calvinistischen Länder, in denen der Kapitalismus entstanden sei, weil in ihnen Reichtum als Zeichen der Erwählung gilt, üppiger Lebenswandel aber verpönt sei: seit Max Weber ein Gemeinplatz.
Nun aber sagt es ein Historiker etwas anders (Jan Pfaff, Interview mit Frank Trentmann: „Wir sind von Dingen umzingelt“. taz vom 25. 11. 2017):
«Schon im 15. Jahrhundert beginnt der Konsum, Gesellschaften stark zu prägen. Hier kann man drei Regionen unterscheiden, die unterschiedlich damit umgehen: das Italien der Renaissance, China sowie zusammengefasst die Vereinigten Niederlande und England. Die Niederlande und England ziehen konsumtechnisch dann bald davon.»
Das katholische Italien:
«Im Italien der Renaissance ist Privatkonsum sehr suspekt, Konsum soll dort nach außen gerichtet sein als etwas, das dem Gemeinwohl dient. Ein reicher Mann kann eine schöne Kapelle bauen lassen oder die ganze Stadt zum Essen einladen. Aber die Vorstellung, dass er sich in sein Eigenheim zurückzieht und dort schön lebt, ist gesellschaftlich nicht akzeptiert.»
Und die calvinistischen Länder, die Niederlande und England:
«[Prägend für unseren Konsum bis heute wird die Entwicklung in den Niederlanden und England.] Diese Länder unterscheidet, dass privater Konsum hier positiv gesehen wird. Und es gibt einen Kult um Neues, den wir bis heute kennen.»
Bis heute!

Nachtrag: «Und was ist jetzt mit China?»
«Dort gelten im 15. Jahrhundert vor allem antike Sachen als wertvoll. Der Konsum wächst auch in dieser Gesellschaft, aber der Schwerpunkt liegt auf alten Gegenständen aus der eigenen Geschichte. Das ist für die europäischen Händler ein großes Problem. Sie wollen gern chinesisches Porzellan importieren und versuchen, dafür europäische Produkte anzubieten, die ganz neu sind – was im europäi­schen Kontext ja positiv ist. Die chinesischen Händler antworten: „Was, das ist ganz neu? Das hat ja gar keinen Wert.“»